Schutzhaus

Das Frauenhaus nimmt jede von Gewalt bedrohte und/oder betroffene Frau und deren Kinder - unabhängig von Alter, Nationalität, Konfessionalität oder Parteizugehörigkeit und Herkunft - in der akuten Krisensituation auf und bietet Schutz vor akuter Bedrohung.

In unserem Haus verfügen wir über 22 Betten in 8 Zimmern auf 3 Etagen mit großen Fluren. Auf jeder Etage befinden sich eine Küche, ein Wohnzimmer, ein Kinderzimmer, ein Bad und ein Büro, das bei Bedarf auch als Unterbringungszimmer genutzt werden kann. Im Erdgeschoß haben wir noch ein Büro, ein Spielzimmer und ein Beratungszimmer. Zum Haus gehört noch ein Garten mit Rutsche, Schaukel und Sandkasten.

Arbeit mit Frauen

Der Aufenthalt im Frauenhaus ist eine Übergangszeit!

Trotz Gewalt ist die Trennung aus einer oft langjährigen Lebensgemeinschaft nicht leicht und bedeutet fast immer einen Prozeß in vielen kleinen Schritten. Die mehrmalige Inanspruchnahme eines Frauenhauses ist daher eine berechtigte und manchmal notwendige Form des Überganges zur Klärung von Perspektiven und zur Bewältigung der Erfahrungen. Wie lange eine Frau im Frauenhaus bleibt, richtet sich nach der Art der Bedrohung und der Zeit, die sie braucht, um sich neu zu orientieren.

Schutz vor Gewalt heißt zunächst, eine sichere und im Rahmen der Gegebenheiten ausreichende Wohnmöglichkeit zur Verfügung zu stellen, schnelle und unbürokratische Hilfe zu leisten und den Frauen die Möglichkeit zu geben, ihre weiteren Entscheidungen ohne Zeitdruck überdenken und planen zu können.

Im Frauenhaus finden Frauen Beratung und Hilfe, soweit nötig und erwünscht. Frauen, welche aus der Krisensituation kommen, brauchen in den ersten Stunden eine Gesprächspartnerin und Zuhörerin. Meist sind die Frauen emotional stark erregt und erzählen ihre Erlebnisse immer wieder. Nach Abklingen dieser Erregung folgen zur Sicherung des Lebensunterhaltes alle notwendigen Aufnahmeformalitäten, die Anmeldung beim Arbeitsamt, Beantragung von Hilfe zum Lebensunterhalt und/oder die Beschaffung notwendigster persönlicher Gegenstände etc. Manche Frauen sind aus Angst vor weiteren Repressalien der Partner hierzu allein nicht in der Lage. Sie brauchen Anleitung oder Begleitung durch Mitarbeiterinnen oder andere Bewohnerinnen. Wenn Kinder mit ins Frauenhaus kommen, besteht je nach Alter der Kinder die zwingende Notwendigkeit der Anmeldung zur Schule.

Das Verhalten des Partners wie auch sonstiger wichtiger Bezugspersonen ist für den Entscheidungsprozeß der Frauen von wesentlicher Bedeutung. Wenn die Partner vom Aufenthaltsort der Frauen erfahren versuchen die Partner in der Regel mit „Druck oder Erpressung“ die Frauen zur Rückkehr zu bewegen. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, folgt nicht selten die Phase der Werbung und der Versprechen. Hier neigen Frauen leicht dazu, diesen Versprechen auf Besserung zu vertrauen und kehren in die Beziehung zurück, ohne daß sich dort etwas verändert haben muß. Erneute Frauenhausaufenthalte sind nicht selten die Folge. 

Die Mitarbeiterinnen bieten Unterstützung bei der Erledigung aller wichtigen Schritte. Die Begleitung und Unterstützung bei Behördengängen bzw. der Suche nach eigenen Wohnungen, Arbeitsstellen oder weiteren Hilfemöglichkeiten sind selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit.

Im Zusammenhang mit ihrer neuen Lebenssituation erhalten die Bewohnerinnen in Einzel- und Gruppengesprächen psychosoziale Beratung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen soziokulturellen Lebenszusammenhänge. Aufgabe der Mitarbeiterinnen ist dabei, Bedingungen zu schaffen, die es den Frauen ermöglichen, auf sich selbst zu vertrauen und sich gegenseitig zu unterstützen. Ziel ist, die gesellschaftlichen und individuellen Ursachen für ihre Probleme zu erkennen, Gewalterfahrungen aufzuarbeiten und selbstverantwortlich zu handeln.

Ein Forum der Mitwirkung im Frauenhaus ist die Hausversammlung. Rechte und Pflichten im Frauenhaus sind für alle verbindlich geregelt. Der Alltag im Frauenhaus wird von den Bewohnerinnen selbst organisiert. In Hausversammlungen, welche mindestens einmal wöchentlich stattfinden, werden Telefon- und Aufräum- bzw. Reinigungsdienste abgesprochen. Darüber hinaus bieten Hausversammlungen den Frauen und Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, Konflikte, die sich aus den Bedingungen des engen Zusammenlebens ergeben, anzusprechen. 

Die starke Beanspruchung der Wohn- und Gemeinschaftsräume führt zu einem schnellen Abwohnen der Räume, was ständig Reparaturen und Ausbesserungen bzw. Umgestaltungen erfordert. Die Hausversammlung dient u.a. auch als Plenum, in dem die Mitarbeiterinnen mit den Frauen diese Veränderungen besprechen und diese dann gemeinsam durchführen.

Der Aufenthalt von suchtkranken oder psychisch kranken Frauen übersteigt in der Regel die fachlichen Möglichkeiten des Frauenhauses. Die Mitarbeiterinnen tragen Sorge, daß diese Frauen in anderen Institutionen Hilfe finden.

Arbeit mit Kindern

Das Frauenhaus ist auch ein Kinderhaus. Diese Kinder befinden sich in inneren Nöten und Schwierigkeiten. Das Verlassen der gewohnten Umgebung und mit- oder selbsterlebte Gewalterfahrung stellen einen tiefgreifenden Einschnitt in ihrem Leben dar. Sie befinden sich in einer Krisensituation. 

Die Situation der Kinder ist geprägt durch 

  1. Biographische Krise, ungewisse Zukunft
  2. Traumatisierung durch Gewalt
  3. Soziale Situation im Frauenhaus

und erfordert eine hochqualifizierte Arbeit der entsprechenden Mitarbeiterinnen. Betreuung ist dabei nur ein Bestandteil. Weitere Bestandteile sind sozialpädagogische Diagnostik, Initiierung und Moderation des Hilfeprozesses beziehungsweise der benötigten Unterstützungsleistungen, Beratung und Unterstützung der Mutter in Bezug auf ihr(e) Kind(er).

Frauen, die im Frauenhaus mit Kinder arbeiten, sind „Anwältinnen“ der Kinder.

Jedes Kind entwickelt aufgrund seiner eigenen Persönlichkeit und seines Entwicklungsstandes entsprechende Verhaltensweisen, seine Situation ertragen zu können, zu überleben oder Hilferufe auszusenden. Entwicklungsstörungen und Auffälligkeiten können Folgeerscheinungen sein. Neigen einige zu unkontrollierten Aggressionsausbrüchen, vom Zerstören von Spielzeug bis hin zu Wutausbrüchen oder Schlägereien mit anderen Kindern im Frauenhaus, so ziehen andere sich völlig in sich zurück, nehmen kaum Kontakt zu anderen Kindern oder Bewohnerrinnen auf oder sind kaum zum Mittun bei gemeinsamen Aktivitäten zu motivieren. 

Der Umzug ins Frauenhaus ist für die Kinder mit ambivalenten Gefühlen verbunden. Einerseits bedeutet er Entlastung, da die unmittelbare Bedrohung durch den Gewalttäter entfällt. Andererseits sind die Kinder stark verunsichert, da sich ihre gesamte Lebenssituation grundlegend verändert hat. Neben dem Verlust des sozialen Umfeldes erleben sie eine völlig neue Art des Zusammenlebens mit vielen Frauen und Kindern auf engem Raum. Hinzu kommt die Ungewissheit über die weitere Lebenssituation, bis die Mutter eine neue Perspektive für sich und die Kinder entwickelt hat. 

Das Miterleben der gewalttätigen Atmosphäre oder traumatischer Situationen in der Familie ist für alle Kinder von prägender Bedeutung. Für die meisten Kinder wäre längerfristige Hilfe, auch über den Frauenhausaufenthalt hinaus, erforderlich.

Im Frauenhaus erfahren die Kinder Unterstützung beim Einleben in die völlig fremde Umgebung und sozialpädagogische Hilfe. Obwohl die Mütter für die Betreuung und Erziehung allein verantwortlich sind, werden sie in ihrer Erziehungsaufgabe von den Mitarbeiterinnen unterstützt und zeitweise entlastet. Den Kindern steht ein Spielzimmer zur Verfügung. Außerdem bietet das zum Haus gehörende Außengelände Bewegungspielraum bei trockenem Wetter.

Die Kinder können an Bastel- oder Spielangeboten teilnehmen. Einige Kinder werden zeitweise einzeln betreut und begleitet. Zur Arbeit mit Kindern gehören neben der Erziehungsberatung der Mütter auch vielfältige Kontakte mit Kindergärten, Schulen, Erziehungsberatungsstellen und Jugendamt.













 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


















Faltblatt Frauenhaus

Mehrsprachiges Informationsfaltblatt